18.02.2022

Invasion – wenn Tiere und Pflanzen neue Gebiete besiedeln

Immer mehr Tier- und Pflanzenarten verbreiten sich im Windschatten der Globalisierung in neuen Regionen. Was diese Migrationsströme für ihre neuen Heimatländern bedeuten und weshalb eine präventive Bekämpfung viel Geld einsparen würde.

Einer Studie des Senckenberg Forschungsinstituts in Frankfurt zufolge sind die Schäden, die durch invasive Arten entstehen, mindestens zehnmal so hoch wie die Ausgaben, die für die Bekämpfung notwendig wären. Würde also mehr Geld in die Prävention gesteckt, würde im Endeffekt Geld gespart werden – weltweit eine Billion Euro. Die Schäden sind nicht nur finanzieller Natur, viele gefährdete Arten könnten durch die unfreiwilligen Migranten vollständig verdrängt werden. 

Listentiere besiedeln Europa

Die Europäische Union führt eine Liste der invasiven Arten und davon, was man zur Vorbeugung und Früherkennung tun kann. Derzeit befinden sich 66 Arten auf dieser Liste. Experten gehen europaweit sogar von bis zu 12.000 gebietsfremden Arten aus, zwischen 10 und 15 Prozent gelten als invasiv.

Die Bisamratte

Die Bisamratte ist ebenfalls ursprünglich in Nordamerika beheimatet. Die Population in Mitteleuropa geht auf nur fünf in Prag ausgesetzte Tiere zurück. Zoologisch ist die Bezeichnung Bisamratte irreführend, die Tiere sind keine Rattenart, sondern gehören zu den Wühlmäusen.

Die wirtschaftlichen und ökologischen Schäden, die vom Bisam verursacht werden, sind laut einigen Forschern eher vernachlässigbar. In einigen Fällen hat ihre Fressaktivität sogar positive Auswirkungen auf die Biodiversität.

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Das Verbreitungsgebiet der Bisamratte in Europa

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Das Verbreitungsgebiet des Waschbären in Europa

Der Waschbär

Ursprünglich stammen diese überwiegend nachtaktiven Kleinbären aus Nordamerika. Die Allesfresser haben einen riesigen Aktionsradius von bis zu 5.000 Hektar. Sie kommen in gewässerreichen Laub- und Mischwäldern und zunehmend auch in Bergwäldern und urbanen Räumen vor. 

Waschbären stehen in Raumkonkurrenz um Baumhöhlen mit vielen Vogelarten, unter anderem dem Waldkauz. Im Frühjahr fressen sie bevorzugt Eier und Jungvögel, Fische, Amphibien (unter anderem den gefährdeten Moorfrosch) und Reptilien (unter anderem die gefährdete Ringelnatter). Negative Auswirkungen auf die vom Aussterben bedrohte europäische Sumpfschildkröte sind ebenfalls zu beobachten.

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Der Blaubandbärbling

Der aus Asien stammende Karpfenfisch gilt als Ubiquist – das heißt, er besiedelt eine Vielzahl unterschiedlicher Lebensräume. Er kommt in allen stehenden und fließenden Gewässern mit Ausnahme der alpinen Region vor. Er ist sehr anpassungsfähig und resilient. 

Die hohe Bestandsdichte des Bärblings und der damit einhergehende große Nahrungsbedarf bringen heimische Fischarten zunehmend unter Druck. Als Speisefisch sind sie ob ihrer geringen Größen wenig geeignet, als Köderfisch oder Futterfisch in Fischzuchten allerdings schon.

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Das Verbreitungsgebiet des Blaubandbärblings in Europa

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Das Verbreitungsgebiet des Götterbaums in Europa

Der Götterbaum

Der Götterbaum ist ein mittelgroßer Laubbaum, der ursprünglich aus China und dem nördlichen Vietnam stammt. Sein Vorkommen in Europa ist derzeit hauptsächlich auf städtische Wärmeinseln beschränkt, aber begünstigt durch den Klimawandel ist eine weitere Ausbreitung nur eine Frage der Zeit.

Götterbäume sind nur mit sehr großem Aufwand wieder zu entfernen, denn sie sind ungewöhnlich widerstandsfähig gegenüber Trockenheit, Schnitt und Herbiziden. Der Baum kann erheblichen Schaden an der Infrastruktur anrichten, zusätzlich sorgt er für einen Anstieg des Stickstoffgehalts im Boden.

Amerikanischer Signalkrebs, Sumpfkrebs & Marmorkrebs

Alle drei Arten stammen aus Nordamerika und haben sich in ganz Europa bereits etabliert. Marmorkrebse können sich bei feuchter Witterung auch eine längere Strecke über Land bewegen, das begünstigte ihre Ausbreitung noch weiter.

Die Krebsarten gelten alle als Überträger der Krebspest und bringen somit die heimischen Krebspopulationen stark unter Druck. Marmor- und Signalkrebse sind Allesfresser und dank ihrer hohen Reproduktionszahlen kaum unter Kontrolle zu bringen.

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Amerikanischer Signalkrebs

Kosten-Nutzen-Rechnung

Der Druck auf heimische Tier- und Pflanzenarten steigt zunehmend durch Invasoren. Auf der Unionsliste sind nur 66 der 1.800 als problematischen geltenden Arten gelistet. Eine gemeinsame Strategie, um die weitere Ausbreitung dieser und neuer zu verhindern, wäre von großer Bedeutung. Und nicht zuletzt könnten durch den richtigen Einsatz von Geldern noch viel höhere Kosten verhindert werden.

Ein Text von Lukas Renner

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