17.08.2022

Das Große Fischsterben an der Oder

Wegen einer vermeintlichen Umweltkatastrophe an der Oder bangen Fischer und Umweltschützer gleichermaßen um den Fischbestand im Fluss im deutsch-polnischen Grenzgebiet. Was ist passiert?

Was bisher bekannt ist

Tausende Fische sind seit Anfang vergangener Woche in der Oder gestorben. Die Ufer des Flusses zwischen Eisenhüttenstadt und Schwedt waren von toten Fischen gesäumt. Allein am Wochenende wurden im Gebiet Merkisch-Oderland rund 30 Tonnen tote Fische gesammelt. Möglicherweise starben in der Oder neben Fischen auch Muscheln, Krebse und im Wasser lebende Insektenlarven an dem vermuteten Gift. Darauf weist der Naturschutzbund NABU hin.

Stand jetzt scheint es wahrscheinlich, dass Anfang letzter Woche eine Giftwelle die Oder getroffen hat. Während dieser Zeit stieg der Flusspegel kurzzeitig an. Die Veränderungen in der polnischen Staustufe stromaufwärts der Oder könnten mit dem schnellen Anstieg der Wasserstände zusammenhängen, denn nirgendwo an der Oder fielen besonders starke Niederschläge. 

Was ist der Grund?

Diese sind noch unbekannt. Amtliche Labore in Brandenburg und Polen nahmen Wasserproben. Ihre bisherige Analyse zeigt Folgendes: ein stark erhöhter pH-Wert. Außerdem enthält die Oder ungewöhnliche Mengen an Quecksilber, Salz und Sauerstoff. Wie die hohen Werte zustande kommen, konnte noch nicht geklärt werden.

Vieles deutet auf einen Chemieunfall im polnischen Oberlauf hin. Laut polnischen Medien kam es Ende Juli in einer Papierfabrik in Oława südlich von Wrocław (Breslau) zu einem Unfall. Der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki sagte am Freitag, dass in vollem Wissen um die Risiken große Mengen an Chemikalien in den Fluss gekippt worden seien. Unterdessen setzte die polnische Polizei Gelder in Höhe von 210.000 Euro für Hinweise auf die Täter aus. 

© Unsplash

Wie lange braucht die Natur, um sich zu erholen?

Die Behörden in Brandenburg gehen davon aus, dass die Oder für viele Jahre geschädigt sein wird. Diese Frage kann zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht abschließend beantwortet werden. So ist zum Beispiel noch nicht bekannt, inwieweit Vögel betroffen sind, die tote Fische fressen. Es ist keine fachmännische Beurteilung von Wirkungen auf Pflanzen, Muscheln oder Krebse bekannt. Gifte, die im Verdacht stehen, in der Oder zu sein, können ihre tödliche Wirkung auf die Natur erst verlieren, wenn sie in die Ostsee gelangen.

Es gibt bereits Anzeichen einer Erholung. Kleine lebende Fische wurden gesichtet. Das deutet laut Umweltministerium darauf hin, dass die Giftwelle vollständig durch die Oder geflossen ist.

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