Die Hohe Jagd & Fischerei
10. - 13. Juni 2021
Messezentrum Salzburg

Fische mit „Frostschutzmittel“ im Winter

Von Winterschlaf bis Anti-Frost-Protein – so überstehen die Fische den kalten Winter und die Minustemperaturen.

Ein Text von Ursula Rischanek, freie Redakteurin

Wer im Sommer am Ufer eines Gewässers sitzt, wird häufig Zeuge regen Lebens. Libellen schwirren herum, Frösche quaken, Fische und andere Kleinlebewesen tummeln sich unter oder an der Oberfläche, gelegentlich ist auch eine Wasserschlange zu sehen. Sobald die Temperaturen jedoch sinken, und gar eine dicke Eisschicht die Oberfläche bedeckt, scheint in Seen und Teichen Ruhe einzukehren. 

Die Schleie verschläft den Winter – als einzige?

Doch der Schein trügt: Denn nur wenige Fische, wie beispielsweise die Schleien, halten tatsächlich Winterschlaf. Die meisten Fische, wie Karpfen und andere Weißfische, fallen hingegen in eine Art Winterstarre, um Energie zu sparen. Dazu wird die Körpertemperatur nach unten gefahren, der Stoffwechsel arbeitet im Sparmodus. Beim Karpfen beispielsweise schlägt das Herz im Sommer bis zu 130 Mal pro Minute, im Winter hingegen nur drei bis sechs Mal. Wer nicht in Winterstarre fällt, lebt dennoch auf Sparflamme: Auch Barsche, Hechte oder Zander lassen es gemütlich angehen. Denn Nahrung ist knapp, gezehrt wird meist von den im Sommer aufgebauten Fettreserven.

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Überwintern im See

Fische haben noch eine weitere Überlebensstrategie: Sie übersiedeln im Winter auf den Grund des Sees, wo es dann nämlich am wärmsten ist. Während das Wasser an der Oberfläche nämlich immer mehr abkühlt und gegebenenfalls gefriert, sinkt das wärmere Wasser auf den Grund des Sees, wo auch in sehr kalten Wintern konstant vier Grad Celsius gemessen werden. Für den Sauerstoff, den Fische trotzdem benötigen, sorgen auch im Winter unter der Oberfläche wachsende Pflanzen. Zumindest dann, wenn die Eisdecke klar ist und die Sonnenstrahlen diese durchdringen können. Überwintern im Wasser ist also möglich, zumindest dann, wenn dieses mindestens 80 Zentimeter tief ist. Sind Seen und Teichen flacher, könnten sie nämlich vollständig gefrieren und die Tiere erfrieren ebenfalls.  

Doch nicht nur Fische sowie im Wasser lebende Schnecken, Muscheln und Insektenlarven überwintern am Grund von Gewässern. Das gilt auch für einige Froscharten und Molche, die hier ebenfalls einen Unterschlupf suchen. Die meisten bevorzugen allerdings ein Winterquartier in der Nähe eines Gewässers – und verbringen die kalte Jahreszeit ebenfalls in Winterstarre.

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Überwintern im fließenden Gewässer

Anders sieht es in Flüssen und Bächen aus: Diese Fließgewässer sind durch ihre Strömung das ganze Jahr über gut mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Dazu kommt, dass die Wassertemperatur meist ein wenig höher ist und durch die Verwirbelungen des Wassers nur selten eine geschlossene Eisdecke entsteht.

Fische mit „Frostschutzmittel“

In Gegenden, in denen es lange Frostperioden oder Dauerfrost gibt, haben Fische eine andere Überlebensstrategie entwickelt. Sie produzieren ihr eigenes „Frostschutzmittel“ in Form von Anti-Frost-Proteinen. Bei den Antarktisdorschen wird dieses in der Bauchspeicheldrüse gebildet, bei anderen Eisfischen in der Leber. Diese mit Zuckern verknüpfte Proteine lagern sich an Eiskeime an und verhindern so die Bildung größerer Eiskristalle im Fischkörper. Der Antarktisdorsch beispielsweise drückt seinen Gefrierpunkt so auf etwa minus zwei Grad Celsius. Dazu kommt, dass Eisfische aber auch deutlich weniger Hämoglobin in ihrem Blut aufweisen, das dadurch flüssiger ist und bei Minusgraden leichter durch die Gefäße gepumpt werden kann.