Die Hohe Jagd & Fischerei
10. - 13. Juni 2021
Messezentrum Salzburg

Was tun mit Feldhasenschmalz?

Meister Lampe ist in der Naturheilkunde und bei Museumsrestauratoren sehr beliebt. Von Hasenleim bis Zugsalbe: Wir zeigen, wie Sie einen Feldhasen richtig verwerten können. 

Das Muskel- und Depotfett des Feldhasen ist voll von wichtigen Fettsäuren.

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Text von Barbara Hoflacher, freie Redakteurin und Wildexpertin

Als Fluchttier, das ständig in Alarmbereitschaft lebt und in kürzester Zeit Spitzengeschwindigkeiten von knapp 70 km/h erreicht, muss so ein Feldhase ziemlich fit sein. Daher sind sein Muskel- und auch das Depotfett voll von äußerst wertvollen ungesättigten Omega 3 - und Omega 6 Fettsäuren. Hochwertiges Feldhasenschmalz ist eine besondere Kostbarkeit. Das Wissen um seine wohltuende Wirkung als Zugsalbe hat sich bis in die Gegenwart erhalten.

Die Heilkräfte von Mutter Natur

Analysen von Professor Teresa Valencak, vom Institut für Wildbiologie der Veterinärmedizinischen Universität in Wien zeigen deutlich, dass das Feldhasenfett ähnlich dem von Murmeltier, Dachs und Fuchs einen besonders hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren aufweist. Darunter die besonders heilkräftige Linol- und Linolensäure.

Mit der Wasserbadmethode lässt sich das Feldhasenschmalz recht unkompliziert und zügig gewinnen. Feldhasenfett von guter Qualität ähnelt im Geruch dem Murmeltieröl und sollte an Leinöl und Heu erinnern. Besonders hohe Qualität zeichnet sich durch einen großen öligen Anteil aus, der auch nach längerer Zeit nicht fest wird

 

Verwendung in der Volksmedizin

Die Verwendung von Feldhasenfett war früher sehr gebräuchlich. Besonders zur Herstellung von Zugsalben hatte dieses Schmalz ein hohes Ansehen. Weitere Anwendungsgebiete für Feldhasenfett waren unter anderem: Kropf, Gewebebrüche, Gicht, eitrige Abszesse, Nagelgeschwüre. Im Kräuterbuch des Lonicerus von 1679 lesen wir folgende Empfehlung: „Hasenschmalz zeucht Dorn und Spreissen heraus/gegen den Schade aufgestriche.“

Aus der Rezeptsammlung

Kühlende Zug- und Wundsalbe – 4 Gläser a 30g

Das zerkleinerte frische Waldbingelkraut in dem Feldhasenfett-Sonnenblumenölgemisch ca. 30 Minuten warm mazerieren. Anschließend abseihen und dann das Bienenwachs darin schmelzen, die Salbe kalt rühren und dabei das ätherische Lavendelöl zugeben.

Der Feldhasenbalsam ist sehr hilfreich bei Aphten und Rhagaden im Mund und am After, kann aber ebenso auf die Augenlider aufgetragen werden, um Bindehautentzündung, Hornhautentzündungen und Gerstenkörner zu lindern. Auch „Schiefer, Spreisen und eingezogene Dornen“ können damit ausgezogen werden. Furunkel und entzündete Hautstellen profitieren ebenfalls davon sowie heiße und gerötete Haut.

 

 

50 ml Feldhasenfett

2 Handvoll frisches Waldbingelkraut (Mercurialis perennis)

50 ml Bio-Sonnenblumenöl, kaltgepresst

12 g Bio-Bienenwachs

wer mag 20 Tr. Ätherisches Bio-Lavendelöl

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Wärmende Zug- und Wundsalbe – 4 Gläser a 30g

Feldhasenfett, Baumharz und Lanolin gemeinsam erwärmen. Wenn sich der Großteil des Baumharzes aufgelöst hat, durch ein Sieb abseihen um es von unlöslichen kleinen Rindenstückchen und Ästchen zu befreien. Dann das Bienenwachs darin auflösen. Die Salbe danach kalt rühren und dabei das ätherische Majoranöl zugeben. Dieser Wund- und Zugbalsam ist außerordentlich stark schmerzstillend und entzündungshemmend. Er eignet sich vorzüglich, um vereiterte Prozesse, Abszesse und Furunkel zu erweichen, zu öffnen, desinfizieren und zu heilen. Des Weiteren ist er sehr hilfreich bei Muskelverspannung, Muskelkrämpfen, aber auch Magen-Darm- und Unterleibskrämpfen. Schon alleine der hinreißende Duft wirkt entspannend auf unseren ganzen Körper.

 

90 ml Feldhasenfett

15 g Wollwachs

15 g weiches Baumharz (von Fichte, Lärche, Kiefer…)

10 g Bio-Bienenwachs

wer mag 20 Tropfen ätherisches Majoranöl

Ein Schmankerl der Wildküche: Feldhasenfleisch

In der Wildküche erfreut sich Feldhasenfleisch großer Beliebtheit. Kein Wunder, denn das magere und dunkel gefärbte Fleisch eines wilden Hasens ist äußerst mager, schmackhaft und voll gesunder Fettsäuren. Lonicerus schreibt dem Fleisch allerdings eine melancholische Wirkung zu.

Auch Hildegard von Bingen hat sich mit dem Feldhasen auseinandergesetzt, so schreibt sie über die Feldhasengalle: „Und gieße die einfache Galle des Hasen über die Lepra des Menschen, und salbe damit oft, und die Rinden dieser Lepra werden fallen, […]“

Feldhasenleim - skurril aber ein echter Geheimtipp

Von der Haut des Feldhasen gewinnen kundige Restauratoren den Hasenleim als Klebstoff. Ähnlich dem früher genutzten Knochenleim. Viele Museumsrestauratoren schwören auf Hasenleim, den sie selbst herstellen.

Meister Lampe ist auch bei den Restaurantoren beliebt.

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