Pilze sammeln mit smarter Hilfe - Apps im Test

Genießbar oder nicht? Wer bei der Schwammerlsuche nicht ganz fit ist, kann sich mit kostenlosen Apps helfen. Wie gut das funktioniert haben wir uns angeschaut.

Pilzesammeln liegt im Trend und gehört schon fast dazu, wenn man im Wald unterwegs ist. Ein fundiertes Wissen über die verschiedenen Arten ist aber Vorraussetzung fürs Sammeln. Weltweit kennt man heutzutage über 100.000 Pilzarten. Schätzungsweise soll es aber insgesamt zwischen 2,2 und 5,1 Millionen geben. Einige Schwammerl, wie sie in Österreich gerne genannt werden, sind absolute Delikatessen und kommen auch in der Sterneküche häufig zum Einsatz. Andere wiederum sind entweder ungenießbar, giftig oder sogar tödlich. Jedes Jahr gibt es im DACH-Raum mehrere Todesfälle durch Pilzvergiftung.

Im analogen Zeitalter war die Pilzbestimmung nur mit Hilfe schwerer, dicker Pilz-Lexika oder über Pilzauskunftsstellen möglich, die man persönlich mit seinem Fund aufsuchen musste. Heutzutage unterstützen uns eigens für die Pilzbestimmung entwickelte Apps. Sie versprechen, mit nur wenigen Klicks Ergebnisse auszuspucken. Wie gut solche Apps aber funktionieren und ob die Ergebnisse vertrauenswürdig sind, haben wir anhand vier verschiedener, kostenloser Pilz-Apps getestet.

Allen getesteten Apps haben wir die gleichen sechs Pilze präsentiert. Um das Ganze ein wenig schwieriger zu gestalten, haben wir vor allem Doppelgänger gewählt, also sowohl einen Speisepilz als auch sein zum Verwechseln ähnliches, giftiges Double. Wir ließen alle Apps folgende Pilze bestimmen:

Speisepilze und ihre giftigen Doppelgänger

© Ecology of Commanster/Lindsey & Hydrophoropsis Aurantiaca

© Wikipedia & Wikipedia/Archenzo

© Wikipedia/Archenzo

Fazit

Pilz-Apps geben einen guten Überblick über die unwahrscheinlich große Vielfalt an Pilzen und erklären Begrifflichkeiten, Unterscheidungsmerkmale und Gruppen. Sie können bei der Bestimmung eines Fundes unterstützen, indem sie aus den hunderttausenden Pilzarten die wenigen herauskristallisieren, die womöglich auf den gefundenen Pilz passen können. Aber keine der von uns getesteten Apps hat uns mit einem absolut sicheren Gefühl zurückgelassen, da sie bei unserer Bestimmung immer mehrere mögliche Pilzarten angegeben haben. Apps ersetzen also nicht die persönliche, haptische und olfaktorische Pilzbestimmung durch ausgebildete Experten. Zur genauen Bestimmung eines Pilzes müssen seine Farbe und Form, die Struktur des Hutes, des Stils und der Lamellen analysiert werden. Weitere Merkmale sind Geruch und Geschmack eines Pilzes, die Verfärbung des Fruchtfleischs durch Verletzung und die Farbe der Flüssigkeit, die bei einigen Arten nach Verletzungen austritt.

Irmgard Greilhuber, Direktorin der Mykologischen Vereinigung Österreichs und Professorin im Department für Botanik und Biodiversitätsforschung an der Universität Wien, betont außerdem: „Manche Pilze sind bereits zu alt, um genießbar zu sein, sie sind am Verrotten und damit schlecht. Andere Pilze haben Viren oder sind von Schimmelpilz oder Insekten befallen. Auch solche Speisepilze sind dann nicht mehr essbar. Diese Merkmale kann keine App erkennen!“

Querchecks und die Einschätzung vom Profi sind unerlässlich, insbesondere bei Pilzen, bei denen man sich nicht ganz sicher ist. Lieber einmal mehr recherchieren und kontrollieren, als eine Pilzvergiftung in Kauf nehmen.