Die Hohe Jagd & Fischerei
10. - 13. Juni 2021
Messezentrum Salzburg

Deermapper: Mit Smartphone und Gewehr auf der Jagd

„Baba Zettelwirtschaft“ heißt es bereits bei vielen Jägern. Möglich macht dies die Jagdverwaltung mit der App “Deermapper”. Warum jeder Jäger das digitale Jagdtagebuch am Handy haben sollte.

130.000 Jäger und 20.000 Jagdschutzorgane sind laut jagdfakten.at in Österreich unterwegs. Jedes erlegte Wildtier muss gemeldet werden. Meist werden Daten noch ganz “oldschool” in einem Notizbuch festgehalten. Die beiden Grazer Rainer Prüller und Florian Schöggl sagten nach ihrem Studium in Vermessungswesen und Geoinformatik der Zettelwirtschaft den Kampf an. 2012 – zu diesem Zeitpunkt waren die beiden selbst noch keine aktiven Jäger – wurde die Idee für die App “Deermapper” geboren. 2015 war bereits die erste Version am Markt. Zuerst nur als Desktop-Version, dann aber auch für Android und etwas später kamen auch Apple-Nutzer in den Genuss.

Rainer Prüller

Florian Schöggl

Eine übersichtliche Darstellung des Reviers in der App. © Deermapper

Was ist eigentlich ein Jagdtagebuch?

In erster Linie werden in einem Jagdtagebuch Abschüsse erfasst - jetzt halt digital. Um diese Funktion zu vereinfachen erstellt der Nutzer ganz einfach eine Karte seines Reviers am Smartphone. Hochsitze, Futterstellen, sogar Kirrungen und Wild-Sichtungen können hier per Knopfdruck eingetragen werden. All das wird dann automatisch mit den Jagdkollegen geteilt. Die Vorteile liegen auf der Hand: Rasche, einfache Berichterstattung und eine automatisierte Organisation. Funkloch Wald? Auch hier ließen die Grazer Tüftler nicht lange mit einer Antwort auf sich warten – die App kann auch offline bedient werden und aktualisiert sich später. Doch das ist noch lange nicht alles.

Das Revier im Überblick

Wildkameras sind kaum mehr wegzudenken, vor allem in großen Revieren. Mit der Anschaffung und Anbringung der Kamera ist es aber noch nicht getan. Wie und wohin werden die Bilder übertragen? Auch daran haben Rainer Prüller und Florian Schöggl gedacht: Deermapper setzt auf Fullservice und bietet so Kamera inkl. SIM-Karte und „Guthaben“ an. Der direkte Zugriff über die Deermapper-App auf die Wildkameras lässt den Jäger das Treiben im Wald fast in Echtzeit verfolgen.

„Brauche ich so viel Technik wirklich auf der Jagd, Herr Schöggl“?

Wir haben bei einem der beiden Erfinder, Florian Schöggl, nachgefragt und wollten wissen, ob man die Digitalisierung auf der Jagd wirklich „braucht“.

Reed Exhibitions: Herr Schöggl, Sie waren anfangs kein Jäger. Wie sind Sie also auf die Idee gekommen, eine App für die Jagd zu erfinden?
Florian Schöggl: Das ist richtig, ich war zum damaligen Zeitpunkt noch kein Jäger. In meinem privaten Umfeld gab es jedoch einige Jagdliebhaber und ich bekam rasch einen guten Einblick in das Jagdwesen. Mein Kollege, Rainer Prüller, und ich wollten nach unserem Studium etwas Nachhaltiges auf den Markt bringen und so entstand die App Deermapper. Damit decken wir aber nicht nur das Thema der Aufzeichnung ab, sondern auch die Forschung.

Reed Exhibitions: Forschung? In welchem Zusammenhang steht das mit dem Deermapper?

Schöggl: Gemeinsam mit dem Abschuss werden auch Wetterdaten, Mondphasen usw. dokumentiert. Werden Sichtungen eintragen, kann auch der Wildwechsel sowie die Population ausgewertet werden.

Reed Exhibitions: Wie kommt die App bei der Zielgruppe an?

Schöggl: Jene, die sich gerne mit dem Smartphone auseinandersetzen, erkennen auch schnell die Vorzüge der App. Viel passiert über Mundpropaganda oder die Jäger laden sich gegenseitig ein, die App zu nutzen – so wächst das Netzwerk.

Reed Exhibitions: Wie starte ich mit der App? Einfach runterladen und loslegen?

Schöggl: Ja genau. In der Basisversion kann Deermapper sofort eingesetzt werden. Da wir aber auch verschiedene Zusatzfunktionen für die Nutzer anbieten, kann man sich später auch für ein Bezahlpaket entscheiden, welches zu einem passt. Das Modell Business eignet sich beispielsweise vor allem für große Jagdbetriebe. Hier haben wir auch speziell für den Nutzer angepasste Funktionen eingebaut. In einer Jagdgesellschaft wird gerne die Admin Version verwendet. Der Jagdleiter vergibt dann weitere Lizenzen an seine Jagdkollegen und so haben alle den Überblick wann, wo, was passiert. Aber natürlich kann jeder die App ganz individuell für sich nutzen – unabhängig von der Reviergröße.

Reed Exhibitions: Können auch offizielle Ämter und Behörden die App nutzen? Oder klingt das nach Zukunftsmusik für Sie?

Schöggl: Wir haben in der Tat einiges vor. Ein großes Ziel ist natürlich, in Zukunft auch mit Ämtern und Behörden, die ohnehin bereits Daten erheben, enger zusammen zu arbeiten. Auch die Einbindung von Forschungsergebnissen in die App werden wir weiterverfolgen. Mit der App-Erweiterung „AnimalProtect“ sollen zusätzlich Wildunfälle auf Österreichs Straßen vermieden werden. Jährlich werden in Österreich rund 80.000 Rehe überfahren. Das hat nicht nur einen Blechschaden am Auto zur Folge, sondern im schlimmsten Fall auch einen Personenschaden - abgesehen vom wirtschaftlichen Schaden. Mit der neuen Funktion werden Hotspots angezeigt, an denen es besonders häufig zu Verkehrsunfällen mit Wildtieren kommt. In weiterer Folge können Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Zum Beispiel eine „Routing-App“ für Autofahrer. Fährt man die Straße entlang, wird in der App an Stellen mit hohem Wildaufkommen ein Wildgefahren-Alarm eingeblendet.

Reed Exhibitions: Tracking hat Freunde und, nennen wir es, Skeptiker. Wie gehen Sie damit um?

Schöggl: Das stimmt, aber wir möchten mit Tracking einzig und alleine die Vorteile nutzen, noch dazu ausschließlich auf freiwilliger Basis. Eines unserer neuesten Projekte ist „Jagd+“. In der Waffe ist ein Sensor eingebaut, der die Richtung und den Ort der Waffe bei der Schussabgabe aufzeichnet und in die Deermapper-App einspielt. Das kann z.B. bei der Nachsuche hilfreich sein. Denn das getroffene Stück läuft oft noch einige Meter, bevor es zu Boden geht. Beim Anschussort kann der Jäger anhand von Spuren den Laufweg nachverfolgen und so das Tier finden. Auch die Sicherheit spielt hier eine Rolle. Bei Gesellschaftsjagden weiß der Jäger, wo seine Kollegen oder sogar Hunde unterwegs sind. Das wollen wir sogar soweit perfektionieren, dass das Smartphone eine Warnung abgibt, sobald die Waffe in eine bedenkliche Richtung gehalten wird. Hier stehen wir aber noch vor dem Problem des „gläsernen Jägers“

Weitere Infos unter www.deermapper.at