Die Hohe Jagd & Fischerei
10. - 13. Juni 2021
Messezentrum Salzburg

Was tun mit Dachsfett?

Dachspenisknochen für Reichtum? Dachsfett gegen Schmerzen? Von skurril bis heilend: So verwerten Sie das Tier von Kopf bis Fuß. 

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Text von Barbara Hoflacher, freie Redakteurin und Wildexpertin

 

Mondnächte im Spätherbst sind ein guter Zeitpunkt einen Dachs zu erlegen und ihn dann zur Gänze zu verwerten. Nicht nur das heilsame Fett, auch die „haarige“ Seite der Schwarte – ja sogar das Wildbret lässt sich für die Heilkunde als auch für die Kulinarik verarbeiten und hat eine Jahrhunderte alte Tradition.

Wundermittel Dachsfett?

Die Hl. Hildegard von Bingen schreibt über das Dachsfett wie folgt: „[…] Der Dachs ist warm, und hat ein stilles Gehaben, […] Nimm daher sein Herz und […] und dann füge auch Fett dieses Tieres bei, und (etwas) vom Gichtbaum und weniger ,stabwurtz‘ als Gichtbaum […] und so mache eine Salbe, die das beste ist gegen Gicht und gegen verrenkte Glieder in den Gelenken […]“

Überall dort, wo es keine Murmeltiere gibt, hat die Verwendung des Dachsschmalzes seine Stelle eingenommen. Deshalb findet man in der Literatur bei Paracelsus und bei Hildegard von Bingen die gleichen Empfehlungen für die Verwendung dieses wertvollen Fettes.

Heilende Wirkung

Über Dachsschmalz haben die beiden Forscher H. Wagner und D. Nusser schon 1988 berichtet. Es enthält die gleichen Corticosteroide, die man auch im Murmeltieröl gefunden hat, allerdings ist der Gehalt im Dachsschmalz mit durchschnittlich 80 mg/kg über doppelt so hoch! Auch der Anteil der sehr hautpflegenden Ölsäure, wie aus dem Olivenöl bestens bekannt, ist im Dachsfett erheblich höher als bei Murmeltier- oder Hasenfett. Diese spezielle Zusammensetzung macht Dachsschmalz zu einem sehr stark schmerzstillenden, entzündungshemmenden und äußerst verträglichem, hautheilenden Fett.

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Dachsschmalz für vielerlei Wehwehchen

Auch die mündlichen Überlieferungen decken sich und empfehlen Dachsschmalz bei folgenden Beschwerden: Verbrennungen, Wunden, Narben, Hautprobleme, Muskelverspannungen, Verstauchungen, Arthrose, Arthritis, Tendovaginitis, Epicondylitis, Rheuma, Gicht, Verkalkungen, Lungenerkrankungen aller Art …

Der bekannte Pfarrer Weidinger empfiehlt Dachsschmalz bei Nierenerkrankungen, Nierenentzündungen und Blasenproblemen. Die innere Einnahme von 1-2 Esslöffel Dachsschmalz wird in der Volksheilkunde wie folgt empfohlen: Halsschmerzen, Husten, Erkältungen, Bronchitis, Lungenentzündung, Lungentumore, Magen-Darm-Geschwüre um nur einige zu nennen. Hierfür kann das Dachsfett zu einem schmackhaften Grammelschmalz verarbeitet werden oder einfach pur eingenommen, mit Honig vermischt oder auf eine Scheibe Brot gestrichen werden.

Gewinnung des Schmalzes

Besonders geeignet ist das schonende Auslassen im Wasserbad, um die wertvollen ungesättigten Fettsäuren zu erhalten. Gutes ausgelassenes Dachsschmalz ist von leicht zitronengelber Farbe und scheidet sich nach ca. 2 Tagen in einen schmalzigen, festen Anteil und einen öligen Anteil. Bei kühler, dunkler Lagerung (am besten eingefroren) ist ausgelassenes Dachsschmalz gut 1 Jahr haltbar und voll wirksam. Sauerstoffzufuhr muss vermieden werden.

Mahlzeit: Dachsfleisch als Wildbrett

Immer mehr Weidkameraden entdecken das Wildbret vom Dachs als wahre Delikatesse. Wie beim Wildschwein ist eine Beschau auf Trichinen obligat. Aus Dachsfleisch lässt sich sehr schmackhafter Speck oder Schinken zubereiten. Im Kochbuch des Bernhard Kathan über die verschwundenen und seltenen Gäste der Speisekarte finden wir folgendes interessante Rezept: „Sein Fleisch schmeckt süßer als Schweinefleisch, erscheint aber manchen Menschen als wahrer Leckerbissen."

Dachsbraten: Der Dachs wird enthäutet und gewaschen, 2-3 Tage mit Zwiebeln, gelben Wurzeln, Salbei und allerlei Küchenkräutern, Lorbeerblättern, Pfeffer, Salz und Nelken in kochenden Essig gelegt. Hierauf wird er wie ein Hase gespickt und wie dieser, doch seines zarten Fleisches wegen kürzer gebraten.

Verarbeitung bis zum letzten Haar

Die hohlen Rückenhaare des Dachses werden auch heute noch zu exklusiven Rasierpinseln verarbeitet. Als heilsame Schwarte liest man bei Hildegard von Bingen über das Dachsfell folgendes: „[…] es ist auch große Kraft im Fell (des Dachses), denn daraus mach einen Gürtel, und umgürte dich damit um die nackte Haut, und alle Krankheit wird in dir aufhören, […] mach auch Schuhe und Halbstiefel aus diesem Fell und ziehe sie an, und du wirst gesund sein an den Füßen und Beinen.“

Bei Hildegard-Medizinern ist die Verwendung des Dachsfelles als Schuhe und als Nierengurt immer noch sehr beliebt und sie erzielen damit große Erfolge. Dachsfellschuhe werden bei Durchblutungsstörungen der Beine bis hin zum Raucherbein verordnet. Die hohlen Dachshaare liegen dabei auf der bloßen Haut auf – entgegen der Wuchsrichtung – und bewirken somit eine deutliche Verbesserung der Durchblutung. Auch der Nierengurt wird mit dem Dachshaar direkt auf der Haut getragen und soll den ganzen „oberen“ Menschen gesund halten.

Dachspenisknochen gegen einen leeren Geldbeutel?

Wie alle Marderartigen hat auch der Dachs einen Penisknochen, dessen Form an eine Nähnadel erinnert, so dass ich mich manchmal frage, ob das unsere Vorlagen für die modernen Nähwerkzeuge waren. Der Penisknochen soll als Glücksbringer in der Geldtasche aufbewahrt werden und dafür sorgen, dass einem nie das Geld ausgeht.

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