Traumberuf: Berufsjäger

Von Sonnaufgang bis Sonnenuntergang für Wild und Wald unterwegs - so sieht der Alltag eines Berufsjägers aus.

In Österreich sind rund 130.000 Jäger in ihrer Freizeit für Wild und Wald aktiv. Christian Hochleitner lebt den Traum vieler Jäger, denn er ist Berufsjäger mit Leib und Seele. In Österreich üben diesen Beruf nur rund 500 Personen aus. Wie man in diesen Beruf einsteigt, welche Aufgaben anfallen, Sonnen- sowie Schattenseiten - das alles haben wir Christian Hochleitner im Interview gefragt.

RX: Wie lange üben Sie schon den Beruf Jäger aus?

Christian Hochleitner: Ich bin bereits seit 36 Jahren als Berufsjäger tätig.

RX: Wie kamen Sie auf die Idee Jäger zu werden?

Hochleitner: Das wurde mir sozusagen die Wiege gelegt. Ich komme aus einer Förster- und Berufsjägerfamilie, die diese Berufe seit 5 Generationen ausübt.

RX: Was sind Ihre Aufgaben?

Hochleitner: Die Hauptaufgabe eines Jägers ist es, sich um alle im Revier vorkommenden Wildarten zu kümmern. Das heißt, jede Wildart braucht - um sich wohl zu fühlen - einen intakten Lebensraum und eine genügende Anzahl von arteigenen Individuen. 

© Andreas Kolarik 

Christian Hochleitner in Action. Mehrmals wurde er als Meister der Hirschrufmeisterschaften gekürt. 

RX: Was sind Ihre Aufgaben?

Hochleitner: Die Hauptaufgabe eines Jägers ist es, sich um alle im Revier vorkommenden Wildarten zu kümmern. Das heißt, jede Wildart braucht - um sich wohl zu fühlen - einen intakten Lebensraum und eine genügende Anzahl von arteigenen Individuen. 

RX: Wie kann man sich das in der Regel vorstellen?

Hochleitner: Der Druck auf die Natur durch den Menschen wird immer größer. Der natürliche Lebensraum der Tiere wird durch verschiedenartige Verbauungen wie Straßen, Häuser, Schilifte, Kraftwerke oder Einkaufszentren immer kleiner. Hinzu kommt, dass immer mehr Menschen die Natur nutzen wollen - seien es Mountainbiker, Jogger, Reiter, Wanderer, Skitourengeher oder Schneeschuhwanderer. Viele von ihnen sind auch nachts unterwegs und somit ein Störfaktor für den ungestörten Tagesablauf für das Wild. 

RX: Wie kann hier der Berufsjäger vermitteln?

Hochleitner: Der Jäger muss mit dem Grundeigentümer versuchen, einerseits die vielen Naturnutzer zu kanalisieren, andererseits die verbliebenen Lebensräume zu erhalten oder gar zu verbessern. Der Wildstand muss dem ihm noch verbliebenen Lebensraum angepasst sein. Insbesondere beim Schalenwild, wie Reh- und Rotwild, um eine Schädigung des Waldes bei einer Überpopulation zu verhindern. 

RX: Denn wir Menschen brauchen den Wald genauso dringend wie die Wildtiere... 

Hochleitner: Richtig. Seine Funktionen als Holzlieferant, als Schutzfaktor vor Steinschlag und Lawinen, als Erholungsfaktor, als Klimaregulator sind essenziell für die Menschheit, speziell jetzt in den Zeiten des Klimawandels.

RX: Der Jäger muss also ein Allround-Talent sein? 

Hochleitner: Ja, die Aufgabe eines Jägers ist es, eben dieses Gleichgewicht zu erhalten. Weitere Aufgaben sind, die Infrastruktur eines Revieres zu erhalten. Um das Wild möglichst störungsfrei beobachten zu können, müssen Hochstände gebaut werden. Auch Wildfütterungen müssen gebaut werden, um speziell Wild in höheren Lagen, in denen sie ohne menschliche Verbauungen der Täler nie stehen würden, bei großer Schneehöhe möglichst schadensfrei am Wald über den Winter zu bringen.

RX: Wo sind Sie als Jäger angestellt?

Hochleitner: Direkt bei einer Jagdgesellschaft.

RX: Wir kennen alle die 40 Stunden Woche – wie ist das bei Jägern?

Hochleitner: Laut Kollektiv schon, in der Praxis aber nicht durchführbar. Das Wild braucht einen rundum Service, der geht genauso an Wochenenden und Feiertagen.

RX: Gibt es fixe Arbeitszeiten? Wie sieht ein typischer Tag als Berufsjäger aus?

Hochleitner: Bei Sonnenaufgang beginnt der Tag und endet wieder bei Sonnenuntergang. Denn in den kühlen Morgen- und Abendstunden ist das Wild am besten zu beobachten und während des Tages müssen die anfallenden Arbeiten erledigt werden.

RX: Haben Sie eine Ausbildung oder Lehre gemacht?

Hochleitner: Zum Berufsjäger muss man eine Forstfachschule und eine Lehrzeit absolvieren. Insgesamt dauert die Ausbildung vier Jahre.

RX: Welche Fähigkeiten und Interessen sollte man haben, wenn man den Beruf des Jägers ausüben möchte?

Hochleitner: Stundenlang Tiere zu beobachten, erfordert viel Geduld. An manchen Tagen sieht man überhaupt nichts. Dazu kommen aber auch Liebe und Achtung vor der Natur und jeglicher Kreatur - vom Käfer bis zum Hirsch.

RX: Was lieben und schätzen Sie an Ihrem Beruf am meisten?

Hochleitner: Wenn ich auch früh aufstehen muss und spät heimkomme, speziell im Sommer, kann ich mir meinen Arbeitstag selber einteilen und bin ein freier Mensch. Nur die Natur und das Wetter geben mir die Arbeit vor.

© Andreas Kolarik 

Ein gern gesehener Gast auf unserer Messe

RX: Gibt es Aufgaben, die Ihnen keinen Spaß machen? 

Hochleitner: Ja, die gibt es natürlich auch in diesem Job. Zum Beispiel bei -15 Grad und Schneegestöber stundenlang draußen zu sitzen, zu frieren und vielleicht nichts zu sehen.

RX: Das schönste Erlebnis in Ihrer Laufbahn als Jäger?

Hochleitner: Da gab es viele schöne Erlebnisse mit Tieren. Eines davon war mit einer weißen Gamsgais. Sie war erst zwei Jahre alt, als ich sie das erste Mal sah. Dann sah ich sie 14 Jahre lang nicht mehr. Ich dachte, sie hätte einen der vielen harten Winter nicht überlebt. Mit 16 Jahren sah ich sie jedoch plötzlich wieder, mit einem Kitz. Da war die Freude natürlich riesig. Daran erkennt man auch, wie selten man bestimmte Tiere über einen längeren Zeitraum sieht. Eine Bestätigung für mich ist auch, dass auch mein Sohn wieder Berufsjäger geworden ist, obwohl es schon ein harte und zeitaufwendiger Beruf ist.

RX: Hat Corona etwas an Ihrem Job geändert?

Hochleitner: Da ich sehr viel allein in der Natur bin, hat Corona auf meinen Job überhaupt keine Auswirkung.

RX: Danke Herr Hochleitner für den spannenden Einblick in Ihren Berufsalltag.